Architektur
Das Museum Selma braucht einen neuen Standort
Das Museum Selma entsteht nicht am vorgesehenen Standort auf dem Areal Hallen Kalk. Grund dafür sind die immensen Preissteigerungen beim Bauen in Deutschland. Eine Möglichkeit, das Museum noch zu realisieren, ist ein möglicher neuer Standort: das Kulturzentrum am Neumarkt in der Kölner Innenstadt. Der Rat der Stadt Köln soll sich noch in dieser Woche damit befassen.
Beispiellose Preissteigerungen beim Bauen in Deutschland stellen seit Jahren private und öffentliche Bauprojekte vor Herausforderungen: Nun trifft es auch das Museum Selma.
Nach Gutachten und Planungen ist der Bau des bundesweiten Migrationsmuseums am vorgesehenen Standort in Köln-Kalk nicht mit dem vorhandenen Budget umzusetzen. Neben den explodierten Preisen beim Bauen spielt auch der Zustand der Halle, die als Museumsstandort vorgesehen war, eine Rolle: Die ehemalige Industriehalle auf dem Gelände Hallen Kalk müsste in deutlich größerem Umfang saniert werden als anzunehmen gewesen war.
"Gehen verantwortungsvoll mit Steuergeldern um"
Bei den aktuellen Preissteigerungen würde das bedeuten, dass das komplette Budget für den Museumsbau in die Sanierung der Halle fließen müsste. Für den Bau des Museums Selma blieben keine Mittel übrig. 33 Millionen Euro an errechneten Mehrkosten konnte keiner der Zuwendungsgeber aufgrund der angespannten Haushaltslage aufbringen.
„DOMiD geht verantwortungsvoll mit Steuergeldern um und muss daher die Reißleine ziehen“, erklärt Robert Fuchs, Geschäftsführer beim Träger des Museums Selma, DOMiD. „Wir hätten das Museum gerne in Köln-Kalk eröffnet und die kulturelle Weiterentwicklung des Osthofs Kalk mit unserer Präsenz vor Ort unterstützt. Wir bedauern, dass wir die gute Nachbarschaft, die wir mit den Aktiven vor Ort aufgebaut haben, nicht fortsetzen können und stehen weiterhin hinter der gemeinsam entwickelten Vision für das Areal.“
Starke Stimmen für den neuen Standort
Stefan Charles, Beigeordneter für Kunst und Kultur der Stadt Köln
„Ein Museum über Migration passt hervorragend in das Zentrum unserer weltoffenen Stadt, die von Migration geprägt ist. Gleichzeitig sehen wir großes Potenzial, das Kulturquartier am Neumarkt mit seinen Museen, der Stadtbibliothek und der Volkshochschule weiter zu stärken.“
Robert Fuchs, Geschäftsführer DOMiD
„Wir hätten das Museum gerne in Kalk eröffnet und auf dem Hallen Kalk Areal einen Impuls für den Stadtteil gesetzt. Die Entscheidung, den Standort Kalk aufzugeben, haben wir uns alles andere als leicht gemacht. Wir hätten die kulturelle Weiterentwicklung des Osthofs Kalk gerne weiter unterstützt und bedauern, dass wir die gute Nachbarschaft, die wir mit den Aktiven vor Ort aufgebaut haben, nicht fortführen können. Gleichzeitig bleiben wir überzeugt von der gemeinsam erarbeiteten Vision einer gemeinwohlorientierten Entwicklung des Osthof-Areals.
Umso glücklicher sind wir über das Angebot der Stadt Köln, die Integration unseres Museums in das Kulturzentrum am Neumarkt zu prüfen. In einer Zusammenarbeit mit den anderen kulturellen Einrichtungen vor Ort sehen wir eine große Chance für alle Seiten.“
Ahmet Sezer, Mitgründer und Vorstand von DOMiD
„Wir sind dankbar, dass die Politik uns weiterhin dabei unterstützt, ein Museum zu errichten, das unsere Migrationsgesellschaft angemessen repräsentiert. Vor 35 Jahren begann unser Traum, die Geschichte Deutschlands um die Perspektiven der Menschen zu ergänzen, die hierher eingewandert sind. Angesichts des aktuellen Erstarkens migrations- und demokratiefeindlicher Kräfte ist es umso wichtiger, die Geschichte dieses Landes vielstimmig zu erzählen.“
Mehr Informationen
Vorgeschichte: Von der Finanzzusage bis zur Entwurfsplanung
2020 hatten der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen insgesamt 44,26 Millionen Euro für das Migrationsmuseum von DOMiD in die Haushalte gestellt. Aus der COVID-19-Pandemie ergaben sich in den Folgejahren immer wieder Verzögerungen, so dass DOMiD erst 2024 mit finanziellen Mitteln ausgestattet die Planungen mit einer Projektsteuerung und einem Generalplanungs-Team vorantreiben konnte.
In einem europaweiten Vergabeverfahren beauftragte unser Träger im April 2025 das renommierte und auf Kulturbauten spezialisierte Atelier Brückner als Generalplaner.
Das Projekt Museum Selma gewann nun an Fahrt: In kürzester Zeit wurden ein Entwurf und eine umfassende Planung erstellt, Gutachten beauftragt. Im August 2025 lag die erste Kostenschätzung vor, die aufzeigte, dass die zur Verfügung stehenden Mittel nicht ausreichen, um das Museum in der Halle 70 in Kalk zu realisieren. Die immensen Baukostensteigerungen der vergangenen Jahre sind der Grund dafür. Auch der Sanierungsbedarf der Halle spielt eine Rolle. Unser Träger DOMiD suchte unverzüglich das Gespräch mit Stadt, Land und Bundesebene.
Nach monatelangen Verhandlungen stand fest: Die hochgerechnet 33 Millionen Euro, die für den Standort Kalk fehlen würden, können bei der angespannten Haushaltslage von keinem der Akteure aufgebracht werden.
So geht es weiter mit dem Museum Selma
An unserem möglichen neuen Standort, dem Kulturzentrum am Neumarkt, sind mit dem Rautenstrauch-Joest-Museum und dem Museum Schnütgen bereits zwei Museen sowie der Kölner Museumsdienst und das FORUM der Volkshochschule Köln beheimatet.
Der Rat der Stadt Köln befasst sich am Donnerstag, 19.3.2026, mit diesem möglichen neuen Standort. Nach einer positiven Entscheidung des Rates könnten die Kölner Verwaltung und der Museumsträger mit der Prüfung des Standorts beginnen. Über alle weiteren Entwicklungen werden wir schnellstmöglich hier und in unserem Newsletter informieren.