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Worum geht es?

Am 17. März 2026 haben wir in einer Pressemitteilung bekanntgegeben, dass das Museum Selma nicht wie geplant am ursprünglich vorgesehenen Standort in Köln-Kalk realisiert werden kann.

Die gestiegenen Baukosten der vergangenen Jahre und die höheren Sanierungskosten für die Halle, aus denen Mehrkosten für die Realisierung des Museums in seinem vorgesehenen Raumprogramm entstehen, werden von den Zuwendungsgebern nicht aufgefangen.

Deshalb muss eine andere Lösung gefunden werden. Derzeit erfolgt einerseits eine Prüfung eines alternativen Standortes in der Kölner Innenstadt – im sogenannten Kulturzentrum am Neumarkt (KAN). Mit dieser Prüfung hatte der Rat der Stadt Köln die Verwaltung beauftragt. Andererseits wurde im Rat weiter auf eine Umsetzung im Rechtsrheinischen gepocht.

Die Debatte um den Standort des Museums Selma hat große Wellen geschlagen und viele Fragen aufgeworfen – Fragen, die wir hier beantworten möchten.

Richtig & Falsch

Richtig: Nicht die Kosten für den Bau des Museums Selma sind „explodiert“, sondern die Kosten für das Bauen in Deutschland.

Falsch: Fälschlicherweise wird behauptet, die Kosten für den Bau des Museums Selma in Kalk seien „explodiert“. 

Begründung: Das Museum Selma ist nur so weit teurer geworden wie die allgemeine Preissteigerung im Bauwesen. Im privaten Konsumbereich spricht man von Inflation, im Baubereich ist es der Baukostenindex. Das Statistische Bundesamt zeigt eine Steigerung des Baukostenindex im Zeitraum 2020 – 2025 um 50%. Dieser Zeitraum ist für unser Projekt die richtige Referenz, da 2020 die Fördermittel in die Haushalte gestellt worden sind (nach dem politischen Beschluss Ende 2019) und 2025 die langwierigen Verhandlungen um die Übergabe des Gebäudes mit dem Abschluss eines Erbbaurechtsvertrages zum Ende gekommen sind (im März 2025 konnte DOMiD mit der Stadt Köln den Vertrag abschließen und wurde dieser genehmigt).

Der vorgegebene Kostenrahmen, der Grundlage für die beauftragten Planungsleistungen war, betrug 44,26 Millionen Euro (s.u.). Die finale Kostenberechnung hat ergeben, dass Stand Ende 2025 für den kompletten Museumsbau Kosten in Höhe von 64,08 Millionen Euro entstehen. Daher fehlen rund 19,82 Millionen Euro für die Realisierung des Museums Selma (finale Kostenberechnung vom 09.12.2025) in der jetzigen Planung. Hierin sind die Baukostensteigerungen der vergangenen Jahre bereits enthalten. Dies entspricht einer üblichen Kostensteigerung, da zwischen der Budgetierung in Haushalten (2020) und Planungsbeginn (2025) fünf Jahre verstrichen sind (zu den Gründen s.u.), in denen sich das Bauen in Deutschland insgesamt in nie dagewesenem Ausmaß verteuert hat. Würde man die Baukosten von 2020 indexieren, also an die heutigen Baukosten anpassen, würde man innerhalb des Budgets im Rahmen des vorgegebenen Raumprogrammes bleiben. Was es nun also für dieses Museum neuen Typs bräuchte, wäre eine rückwirkende Indexierung, also die Anpassung des Baubudgets an die heutige Realität.

Wir rechnen vorausschauend und berücksichtigen bei der Kostenberechnung für die kommenden Jahre 10% Risikopuffer und jährlich 3% Indexierung (s. Tabelle unten).

Zusammenfassung: Es gab keine Kostenexplosion in der Planung. Die Baukosten in diesem Land haben sich während der Verhandlungen um das Erbbaurecht (2020-2025) massiv erhöht. Um das Museum Selma am Standort Kalk mit dem vorgesehenen Raumprogramm umzusetzen, müssten „lediglich“ die inflationsbedingten Kosten aufgefangen werden.

 

 Originalbudget als Kostenrahmen (2020)Originalbudget mit 50 % IndexierungFinale Kostenberechnung (2025)
Gesamtsumme (KGR 100-800)44.259.541 €66.389.312 €64.082.823 €
Risikovorsorge 10 %--6.408.282 €
Gesamtsumme, incl. Risiko--70.491.105 €
3 x 3 % pro Jahr auf Baukosten (9 %), Indexierung: 07/2025 - 07/2029--6.344.199 €
Neues Gesamtbudget--76.835.304 €

Quelle: Prüfbericht Schüßler-Plan, 11.12.2025

Hinweise: KGR 100-800 bezieht sich auf die Kostengruppen des Bauprojekts.
Die erste Spalte ist das Originalbudget, das für die Planenden als Kostenrahmen vorgegeben wurde. Die zweite Spalte ist eine rechnerische Betrachtung, wie sich die 50 % Steigerung von Baukostenindex auf diese Zahlen auswirken würde. Die dritte Spalte zeigt die finale Kostenberechnung für den Entwurf von Atelier Brückner in der Halle 70 in Kalk. Durch zahlreiche Einsparungen fällt diese niedriger aus als die reine „inflationsbedingte“ Steigerung.
Zur vorausschauenden Indexierung: Es hat sich gezeigt, dass sich die rasanten Preissteigerungen der letzten Jahre abgeflacht haben - dennoch liegen die Steigerungsraten im Bereich von 2,5 - 3,5 % pro Jahr. Daher wurde hier ein konservativer Wert von 3 % p.a. angelegt.

Richtig: Der höhere Sanierungsbedarf der Halle ist der Grund dafür, dass das Baubudget nicht ausreicht.

Falsch: Es wurde zu teuer geplant bzw. der Entwurf war ein Kostentreiber.

Begründung: Es lagen vor dem Vergabeverfahren von der Stadt Köln beauftragte Gutachten vor, die nicht auf einen derart hohen Sanierungszustand der Halle schließen ließen. Die meisten Untersuchungen folgten erst nach Beauftragung des Generalplanungsteams im Rahmen der Leistungsphasen 2 und 3. Die Ergebnisse der Untersuchungen sind in die Kostenermittlung eingegangen. 

Von den Gesamtherstellungskosten (netto, exklusive Nebenkosten) von 50.014.705 € fließen alleine 42% (21.022.357 €) in die Sanierung der Halle 70. Die restlichen 58% (28.951.098 €) werden für den Einbau des Museums veranschlagt. Die Spielräume, die es bei einer Sanierung auch immer gibt, sind gering. Vor dem Problem des gestiegenen Sanierungsaufwands hätte jedes Planungsteam gestanden. Wir haben uns, beraten durch dein Fachgremium, ein Wettbewerbsbegleitbüro und eine externe Projektsteuerung, für einen Siegerentwurf und damit für ein Generalplanungsteam entschieden, das unsere Vision am besten in einen Entwurf umgesetzt und das wirtschaftlichste Angebot abgegeben hat.

Zusammenfassung: Es ist der gestiegene Sanierungsaufwand, der dazu führt, dass das Budget von 44,26 Millionen Euro für ein Museum mit dem vorgesehenen Raumprogramm in der Halle 70 nicht ausreichend ist. 

Richtig: Am alternativen Standort im KAN würde sich die Fläche für das Museum Selma reduzieren, aber nicht so stark wie häufig verbreitet.

Falsch: Leider heißt es in mehreren öffentlichen Beiträgen, das Museum Selma hätte am Standort im Kulturzentrum am Neumarkt (KAN) nur noch 20 Prozent bzw. ein Fünftel der Fläche, die in Kalk vorgesehen war. Diese Aussage beruht auf falschen bzw. unvollständigen Bezugsgrößen. Was vergleichbar ist: Die bisherige Ausstellungsfläche in der Halle 70 in Kalk war auf 2.650 Quadratmeter geplant, im KAN beträgt sie 1.330 Quadratmeter. Es handelt sich also um rund die Hälfte der Ausstellungsfläche.

Begründung: Wie es vermutlich zur falschen Wahrnehmung gekommen ist: Die Verwaltungsvorlage, die dem Rat der Stadt Köln für die Ansiedlung des Museums Selma im KAN zur Entscheidung vorgelegt wurde, hat erste Flächenannahmen getroffen. Darin enthalten sind Flächen für die Dauerausstellung des Museums Selma sowie Bildungs- und Vermittlungsflächen. Diese ergeben ungefähr 2.000 Quadratmeter. Sie können aber nicht in Bezug gesetzt werden zu den 10.000 Quadratmetern Gesamtfläche in Kalk. Dort waren ebenfalls enthalten: Veranstaltungsflächen, Büroräume, Depot- und Magazinflächen für unsere Sammlung, Foyer, Garderoben, Toiletten, Lager sowie weitere Verkehrsflächen. Für das KAN wäre keine eigenständige, sondern eine gemeinsame Nutzung der Serviceflächen geplant, Kontingente für den Veranstaltungsaal sowie eine Unterbringung der Depot-/Magazinflächen und der Arbeitsplätze an einem noch zu definierenden Ort. 

Zusammenfassung: Hier wurden Äpfel mit Birnen verglichen. Als vergleichbare Größen gibt es bislang nur die geplanten Ausstellungsflächen. Die wären am Standort KAN halb so groß wie am Standort Kalk. 

Richtig: Das Museum Selma kann nicht als Interim entstehen.

Falsch: Einige schlagen vor, dass das Museum Selma nur vorübergehend im Kulturzentrum am Neumarkt einziehen solle und danach in ein größeres Gebäude umziehen solle. Das ist nicht möglich.

Begründung: Die Vorstellung eines Interims ist unvereinbar mit dem Förderrecht. Die Investitionsmittel für das Museum Selma stehen nur einmalig und mit einer Zweckbindungsfrist von 20-25 Jahren zur Verfügung. Darauf hat auch das Land NRW am 21.03.2026 in der Presse aufmerksam gemacht.

Wie kam es zu der Auffassung, das Museum Selma könne zunächst in ein Interim ziehen? Die Fraktion Die Linke Köln hat in der Sitzung des Rates der Stadt Köln am 19.03.2026 in der Aussprache vorgeschlagen, das Museum Selma im KAN nicht dauerhaft anzusiedeln (wie in der von der Stadtverwaltung eingereichten Beschlussvorlage vorgesehen), sondern diesen Standort als ein Interim anzusehen, in der Hoffnung, dass das Museum nach einigen Jahren am Neumarkt nach Köln-Kalk umziehen könne. Der Änderungsantrag der Linken wurde nicht abgelehnt und damit vom Rat beschlossen. Damit wurde eine zentrale Rahmenbedingung übersehen: das Förderrecht von Bund und Land.

Zusammenfassung: Unter Berücksichtigung des Förderrechts kann nicht länger von einem Interim ausgegangen werden. 

 

Häufige Fragen

Finanzen

Die Realisierung des Museumsbau wird nun auf 77 Millionen Euro geschätzt. Es fehlen 33 Millionen Euro – wie kommt es zu diesen Zahlen?

Der vorgegebene Kostenrahmen, der Grundlage für die beauftragten Planungsleistungen war, betrug 44,26 Millionen Euro (s.o.). Die finale Kostenberechnung hat ergeben, dass Stand Ende 2025 für den Museumsbau mit dem vorgesehenen Raumprogramm Kosten in Höhe von 64,08 Millionen Euro entstehen. Daher fehlen rund 19,82 Millionen Euro für die Realisierung des Museums Selma (finale Kostenberechnung vom 09.12.2025) mit dem vorgesehenen Raumprogramm. Dies entspricht einer üblichen Kostensteigerung, da zwischen der Budgetierung in Haushalten (2020) und Planungsbeginn (2025) fünf Jahre verstrichen sind (zu den Gründen s.u.), in denen sich das Bauen in Deutschland insgesamt in nie dagewesenem Ausmaß verteuert hat.

Wir haben zudem vorausschauend und transparent geplant: Wir haben die Bausubstanz gründlich untersucht, um eine möglichst große Planungssicherheit zu erhalten und berücksichtigen 10 Prozent Risikozuschlag. Dies halten wir bei einer über 100 Jahre lang industriell genutzten Halle für einen notwendigen Puffer, um weitere potenzielle Kostensteigerungen auffangen zu können. Bei der alten Bausubstanz können sich immer unvorhergesehene Sanierungsaufgaben ergeben, die wir so vorsorglich miteingepreist haben. Zudem prognostizieren wir 3 Prozent Kostensteigerung jährlich auf die Baukosten bis zur Mitte der Fertigstellungsdauer. Es hat sich zwar gezeigt, dass sich die rasanten Preissteigerungen der letzten Jahre abgeflacht haben – dennoch liegen die Steigerungsraten im Bereich von 2 ,5 – 3,5 Prozent pro Jahr. Daher wurde hier ein konservativer Wert von 3 Prozent p.a. (Mitte 2025 bis Mitte 2028) angelegt.

Daraus ergibt sich eine Gesamtsumme von 76,84 Millionen Euro. Wir haben dies in unserer Kommunikation vereinfacht auf 77 Millionen Euro aufgerundet. 77 Millionen Euro Kosten abzüglich der Fördermittel von Bund und Land in Höhe von 44 Millionen Euro ergeben einen Fehlbedarf von 33 Millionen Euro. 

Zur Differenzierung: Es fehlen mit Stand 2025 knapp 20 Millionen Euro für das Museum Selma mit dem vorgesehenen Raumprogramm. Rechnet man vorausschauend, wie wir es mit unserer Projektsteuerung gemacht haben, bis zur Fertigstellung mit Risikopuffer und Indexierung, dann sind es 33 Millionen Euro Unterdeckung.

 

 Originalbudget als Kostenrahmen (2020)Originalbudget mit 50 % IndexierungFinale Kostenberechnung (2025)
Gesamtsumme (KGR 100-800)44.259.541 €66.389.312 €64.082.823 €
Risikovorsorge 10 %--6.408.282 €
Gesamtsumme, incl. Risiko--70.491.105 €
3 x 3 % pro Jahr auf Baukosten (9 %), Indexierung: 07/2025 - 07/2029--6.344.199 €
Neues Gesamtbudget--76.835.304 €

Quelle: Prüfbericht Schüßler-Plan, 11.12.2025

Hinweise: KGR 100-800 bezieht sich auf die Kostengruppen des Bauprojekts.
Die erste Spalte ist das Originalbudget, das für die Planenden als Kostenrahmen vorgegeben wurde. Die zweite Spalte ist eine rechnerische Betrachtung, wie sich die 50% Steigerung von Baukostenindex auf diese Zahlen auswirken würde. Die dritte Spalte zeigt die finale Kostenberechnung für den Entwurf von Atelier Brückner in der Halle 70 in Kalk. Durch zahlreiche Einsparungen fällt diese niedriger aus als die reine „inflationsbedingte“ Steigerung.
Zur vorausschauenden Indexierung: Es hat sich gezeigt, dass sich die rasanten Preissteigerungen der letzten Jahre abgeflacht haben – dennoch liegen die Steigerungsraten im Bereich von 2 ,5 – 3,5 % pro Jahr. Daher wurde hier ein konservativer Wert von 3% p.a. (Mitte 2025 bis Mitte 2028) angelegt.

Wurde zu teuer geplant?

Nein. Die ausgewählte Entwurfsidee von Atelier Brückner war das wirtschaftlichste Angebot, das im Rahmen des Vergabeverfahrens abgegeben wurde. Diese Aussage ist anwaltlich bestätigt.

Diese Entwurfsidee setzt auf eine Sanierung der Halle im minimal notwendigen Rahmen: Soweit möglich bleiben alle bestehenden Oberflächen erhalten und viele vorhandene Elemente des Bestandes werden genutzt – so zum Beispiel die Kranbahnen, Tore und Schienen, die in die Gestaltung integriert werden. Die Gebäudehülle wird im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben und Bestimmungen nur moderat energetisch saniert. Im Haus-in-Haus-Prinzip sind einfache Holzkuben als Einbauten in der bestehenden Halle vorgesehen. Diese sind flexibel beheizbar, was sowohl energieeffizient als auch kostensparend ist.

Am Quadratmeterpreis lässt sich ablesen, dass DOMiD mit seinem Generalplaner eine kostengünstige Herstellung eines Museumbau in der Halle 70 in Kalk erwirken konnte. 

Da es sich bei einem Museumsbau um einen Sonderbau handelt, lassen sich nicht einfach Vergleichswerte wie z.B. aus dem Wohnungsbau heranziehen. Um einen belastbaren Vergleich herzustellen, haben wir eine Plausibilisierung im Vergleich zu Hochschulbauten vorgenommen, denn auch hier handelt es sich um öffentliche Bauten, wenn auch deutlich weniger komplex als das von DOMiD geplante Museum neuen Typs mit Ausstellungsflächen, Bildungsräumen, einer Veranstaltungshalle, einem Kinosaal, klimatisierten Magazinräumen für die Sammlungsgüter etc.

Für die Betrachtung müssen Planungs- und weitere Kosten herausgezogen werden (die Gesamtsumme durch 10.000 Quadratmeter zu dividieren ergibt daher keine vergleichbare Bezugsgröße). Der Gesamtquadratmeterpreis für das Museum Selma in dieser Planung beträgt rund 6.408 Euro pro Quadratmeter. Damit liegt der Wert deutlich unter dem der Bauministerkonferenz-Tabelle für Hochschulgebäude mit Stand 2025: Hier liegen die Gesamtbaukosten bei 7.629 Euro/Quadratmeter. Verglichen werden jeweils die Netto-Preise (brutto siehe Tabelle der Bauministerkonferenz Zeile 3, Spalte 2). 

Wieviel Geld steht für das Museum Selma zur Verfügung?

44,26 Millionen Euro, zur Hälfte aus Bundesmitteln und zur anderen Hälfte in Ko-Finanzierung durch das Land NRW. Also jeweils 22,13 Millionen Euro. Die Summe basierte nicht auf einer Planung, sondern war eine politische Vorgabe. 

Zum Hintergrund:

Am 14.11.2019 beschloss der Haushaltsausschuss des Bundestages, 22,13 Mio. Euro für das Museum von DOMiD in den Haushalt einzustellen. 

  • Haushaltstitel Bund (19. Wahlperiode, Ausschussdrucksache: 5159): 0452 (Tgr 02) 894 24 – 183 (71) Zuschüsse für investive Kulturmaßnahmen bei Einrichtungen im Inland, BKM-Aktenzeichen: K55-14000/ 88

Am 12.12.2019 beschloss der Landtag NRW, 22,13 Millionen Euro für das Museum von DOMiD in den Haushalt einzustellen. 

  • Haushaltstitel Land NRW (17. Wahlperiode, Drucksache 17/8150): Kapitel 06 050  Kulturförderung, Titelgruppe 75 Haus der Einwanderungsgesellschaft (Landesanteil), Titel 891 75 Zuschüsse für Investitionen an öffentliche Unternehmen

Die Mittel verfallen am 31.12.2026 (s.u.).

Wieviel Geld wurde für die Planung des Standortes in den Hallen Kalk bereits verausgabt?

Bisher wurden 4,11 Millionen Euro an Planungskosten verausgabt, die aus dem Landesanteil (22,13 Millionen Euro) für das Museum beglichen wurden. Darin enthalten sind die Kosten des europaweiten Vergabeverfahrens, anwaltliche Kosten, Projektsteuerung sowie das Generalplanungsteam mit allen Fachgewerken und -disziplinen für die Leistungsphasen 1 (Grundlagenermittlung), 2 (Vorplanung) und 3 (Entwurfsplanung) analog der Verordnung über die Honorare für Architekten- und Ingenieurleistungen (HOAI).

Entstünde das Museum Selma an einem alternativen Standort, wären diese Planungskosten hinfällig. Würden die Mehrkosten für das Museum von den Zuwendungsgebern übernommen, könnte mit dem Entwurf, der bis auf die letzte Steckdose geplant ist, am ursprünglich vorgesehenen Standort in Kalk nahtlos weitergearbeitet werden – vorbehaltlich einer positiven baufachlichen Prüfung und unter Beibehaltung der jetzigen Rahmenbedingungen. Das Museum Selma könnte dann in die Genehmigungsplanung (Leistungsphase 4) eintreten. Alternativ kann in einem verkleinerten Rahmen weitergedacht werden (s.u.).

Unter welchen Voraussetzungen kann das Museum Selma verwirklicht werden?

Alle Optionen müssen sich immer im Rahmen des geltenden Vergabe- und Förderrechts bewegen. Es sind zudem immer zwei wichtige Rahmenbedingungen zu bedenken, um die Fördermittel abrufen zu können. Es müssen von DOMiD im Rahmen eines prüffähigen Antrags vorgelegt werden:

  1. Baufachliche Unterlagen bis zur Entwurfsplanung (LP1-3) inklusive einer Kostenberechnung nach DIN 276
  2. tragfähiges Betriebs-, Nutzungs-, und Finanzierungskonzept für die Dauer der Zweckbindung von mindestens 20-25 Jahren

Für den Standort Halle 70 in Kalk hat DOMiD fristgerecht alle baufachlichen Unterlagen sowie ein Betriebs- und Nutzungskonzept vollständig und fristgerecht abgegeben – mit Ausnahme des Finanzierungskonzepts. Der Hintergrund ist, dass die in der Kostenberechnung aufgekommenen finanziellen Mehrbedarfe nicht von den Zuwendungsgebern übernommen wurden. Könnten wir bis zum 31.12.2026 darstellen, wie die fehlenden 33 Millionen Euro für den fertig geplanten Entwurf gesichert werden, dann könnte es – vorbehaltlich einer positiven baufachlichen Prüfung und unter Beibehaltung der jetzigen Rahmenbedingungen – mit der Leistungsphase 4 (Genehmigungsplanung) in Kalk weitergehen. Alternativ kann in einem verkleinerten Rahmen weitergedacht werden (s.u.). 

Für den sich in Prüfung befindlichen alternativen Standort im Kulturzentrum am Neumarkt wären die Fördermittel ausreichend. Wie die rechtlichen Rahmenbedingungen sich auf Basis des vorliegenden Ratsbeschlusses vom 19.03.2026 darstellen und ob vor diesem Hintergrund die baufachlichen Unterlagen bis zum Jahresende rechtzeitig erstellt werden können, ist Gegenstand aktuell laufender Prüfungen.

Sämtliche Vorschläge für andere Standorte, die diese Rahmenbedingungen nicht erfüllen, können leider nicht verfolgt werden.

Zeiten und Fristen

Warum hat alles so lang gedauert?

Ende 2019 wurden im Bund und Land die Mittel für das Museumsprojekt bewilligt. Drei Monate später begann die globale COVID-19-Pandemie. Nicht nur unser aller Leben, sondern auch Verwaltungen und Ministerien hat dies stark beansprucht. Lange waren wir ohne feste Ansprechpartner und es ging nicht voran. Als es am Standort in Kalk zu immer weiteren Verzögerungen kam und mit der Montag Stiftung Urbane Räume ein wichtiger Akteur in der Entwicklung des Areals Hallen Kalk ausgestiegen war, haben wir uns 2023 mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit gewandt und gefordert, die strittigen Punkte zu lösen und für verlässliche Rahmenbedingungen zu sorgen.

In 2024 konnte dann ein Durchbruch in den Verhandlungen um das Zur-Verfügung-stellen des Grundstücks und Gebäudes durch die Stadt an DOMiD erzielt werden, sodass das Land Mittel für ein Vergabeverfahren freigab. Erst dies hat uns in die Lage versetzt, Fachplaner zu beauftragen, mit uns eine Entwurfsplanung zu erstellen und die Kosten zu ermitteln. Im März 2025 haben wir den Erbbaurechtsvertrag (Übertragung des Gebäudes/Grundstückes über 99 Jahre) unterzeichnet und waren damit erstmals verfügungsberechtigt (jedoch nicht Besitzer) für die Halle. Im April 2025 haben wir die Generalplaner von Atelier Brückner beauftragt. Im August lag dann die erste Kostenschätzung vor, die wir umgehend den Zuwendungsgebern mitgeteilt haben. Im Dezember 2025 haben wir fristgerecht und vollständig die baufachlichen Planungen bei der Prüfbehörde eingereicht.

Was hat es mit der häufig genannten Frist 31.12. auf sich?

Dies ist eine nachträglich eingefügte Frist über den Verfall der Bundesmittel: DOMiD hatte bekanntlich Ende 2019 die Mittel für das Migrationsmuseum zugesprochen bekommen; 2020 wurden diese in den Haushalt eingestellt. In einer nicht-öffentlichen Sitzung am 14.12.2022 hat der Haushaltsausschuss des Bundestages rückwirkend für alle Projekte beschlossen, dass die zugesagten Mittel innerhalb von fünf Jahren verfallen, wenn bis dahin kein prüffähiger Antrag vorgelegt wird. Dies beinhaltet die kompletten baufachlichen Unterlagen bis zum Stand der Entwurfsplanung samt Kostenberechnung sowie Betriebs-, Nutzungs- und Finanzierungkonzept. Bis dahin war davon auszugehen, dass es keine zeitliche Begrenzung für die Verausgabung der Mittel gab. Für DOMiD galt ab dann die Frist bis zum 31.12.2025. 

Liegt diese Frist auch auf dem Anteil des Landes NRW?

Da es sich um eine Direktive des Haushaltsausschusses des Bundestages handelt, gilt diese Frist eigentlich nur für den Bundesanteil. Da die Landesmittel allerdings nicht eigenständig, sondern nur als Ko-Finanzierung zu den Bundesmitteln beschlossen worden sind, würden bei einem Verfall der Bundesmittel auch die Landesmittel verfallen.

Kann diese Frist verlängert werden?

Dafür gibt es kein geregeltes Verfahren. Zuständig ist der Haushaltsausschuss des Bundestages. Unter enormem Aufwand und Einsatz von DOMiD und dem MKW mit Hilfe von zahlreichen Abgeordneten und Einzelpersonen, ist es am 13.12.2025 gelungen, eine einmalige Verlängerung der Frist um ein Jahr auf den 31.12.2026 zu erreichen. Der Presse ist zu entnehmen, dass es dem Pina-Bausch-Zentrum in Wuppertal zweimal gelungen ist, eine Fristverlängerung zu erwirken.

Wie sieht der Zeitplan aus? Kann das Museum 2029 eröffnen?

Der Zeitplan ist obsolet. Wann das Museum Selma eröffnet wird, kann aufgrund fehlender Rahmenbedingungen derzeit nicht prognostiziert werden.

Warum wurde die Öffentlichkeit nicht früher unterrichtet?

Wir haben in politischen Gesprächen laufend und 2023 auch in einer Pressemitteilung auf die Probleme der langwierigen Verhandlungen am Standort Hallen Kalk hingewiesen. 2024 wurde dann der Weg für den Erbbaurechtsvertrag im Grunde freigemacht und im März 2025 konnte dieser unterzeichnet werden. Ab April 2025 haben wir die Planungen für den Standort Halle 70 in Kalk begonnen. Solange diese Planungen, für die Steuermittel verwendet wurden, nicht abgeschlossen sind, wurde von den Zuwendungsgebern Vertraulichkeit vorgegeben. Wir haben parallel politische Gespräche geführt, um eine Finanzierung sicherzustellen. Diese waren nicht erfolgreich. Im Januar haben wir erneut die Zuwendungsgeber um die Übernahme der Mehrkosten gebeten und eine Absage von Stadt, Land und Bund erhalten. Der Kulturdezernent der Stadt Köln hat dann dankenswerterweise Vorschläge für einen alternativen Standort gemacht. Die Pressekommunikation war weiterhin sehr eng abgestimmt mit den Zuwendungsgebern. Wir haben dann über die Lage am 17.03.2026 informiert. Der Kölner Kulturdezernent hat vorab die politischen Fraktionen informiert.

Hätte nicht zu einem früheren Zeitpunkt auffallen können, dass das Geld nicht reicht?

Nein. Wir hatten guten Grund anzunehmen, dass der Museumsbau in der Halle 70 mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu realisieren sei. Die vorliegenden Gutachten ließen nicht auf einen derart hohen Sanierungsgrad schließen.

Auf Grund diverser Verzögerungen standen DOMiD erst 2024 Mittel zur Verfügung, um den Planungsprozess so voranzutreiben, dass wir den Zustand der Halle noch tiefer begutachten lassen konnten und zum anderen mit einer fachlichen Planung unserer für unsere Museumsziele benötigten Raumbedarfe haben durchspielen können. Ohne einen Entwurf und Planungsmittel ist keine Kostenermittlung möglich. Bestimmte Steigerungen bei den Baukosten hatten wir erwartet. Denn dass die Preise für das Bauen steigen würden, davon war auszugehen. Aber dass in den Jahren zwischen der Einstellung der Mittel in die Haushalte und unserem Planungsbeginn die Baukosten in Deutschland um 50 Prozent steigen (Quelle: Statistisches Bundesamt), das hätten wir nicht wissen können, denn eine solche Inflation ist in der Geschichte der Bundesrepublik beispiellos. 

Planung/Alternativpläne

Was wurde versucht, um die Kosten zu reduzieren?

Für den Bau des Museums Selma wurde von Anfang stark kostenorientiert gearbeitet. Im Vergabeverfahren hat sich die Vergabekommission für das wirtschaftlichste Angebot entschieden. Durch eine enge Kostenkontrolle hat DOMiD auch während der Planung schrittweise immer wieder Einsparungspotenziale identifiziert und bereits mehrere Millionen Euro reduziert. Im November 2025 wurde außerdem ein Kürzungsvorschlag für das Museum erarbeitet, der den Verzicht auf den Veranstaltungsbereich und eine eingeschossige Bauweise in Nord und Süd beinhaltet, so dass weitere Flächen wie Räume für Workshops und Partizipation, Werkstätten, Atelier und der Kids‘ Space wegfallen würden. Da auch für diese Variante Mehrkosten angefallen wären, wollten die Zuwendungsgeber diesen Weg nicht weiterverfolgen.

Parallel zum Planungsprozess erfolgten fortlaufend weitere mögliche Anpassungen. Auch aus diesem Grunde liegt die Kostenberechnung unterhalb der Kostenschätzung – trotz gestiegener Sanierungskosten.

Waren die anderen Entwürfe im Vergabeverfahren günstiger?

Die Generalplanung für das Museum Selma wurde nicht im Rahmen eines Architekturwettbewerbs, sondern in einem europaweiten zweistufigen Vergabeverfahren ermittelt. Eine zwölfköpfige Beratungskommission – bestehend aus externen baufachlichen, stadtplanerischen und museologischen Expert*innen – hat im Vergabeverfahren für die Generalplanung des Museums Selma vier Anträge behandelt und intensiv diskutiert. Dies geschah mithilfe der Vorbereitung und Moderation eines Wettbewerbsbegleitbüros, einer externen Projektsteuerung und der Projektleitung Museumsbau von DOMiD. Die Vergabekommission war besetzt mit Vertreter*innen der Bauherrin, der DOMiD gGmbH, und hat in einem vorher definierten und für alle Beteiligten transparenten Punktevergabeprozess den Siegerentwurf ausgewählt. Alle Angebote hatten den Kostenrahmen von 44,26 Millionen Euro zu beachten und haben in diesem Rahmen Angebote eingereicht.

Die Vergabekommission hat sich für das wirtschaftlichste Angebot entschieden (Anwaltliche Bestätigung)

Wäre das Museum auch an einem anderen Standort im Rechtsrheinischen realisierbar?

Sämtliche alternative Standorte sind unter den geltenden Rahmenbedingungen (s.o.) leider nicht mehr realisierbar. 

Es gab den Vorschlag, das Museum Selma neben dem Zeughaus Köln zu errichten. Warum ist dies nicht möglich?

Dies ist nicht unter den geltenden Rahmenbedingungen zu erreichen, insbesondere der Frist, zum 31.12.2026 die vollständigen baufachlichen Unterlagen zu erstellen (Planung des Gebäudes, Konzeption der Ausstellung etc.). Erschwerend kommt bei dieser Idee hinzu, dass bei diesem Neubau neben Zeughaus und Alte Wache ein funktionaler Zusammenhang mit der Herrichtung der beiden Bestandsbauten besteht. Dies betrifft insbesondere die Versorgungsleitungen. Da es hier zwar erste Bestrebungen gibt, das Kölnische Stadtmuseum wieder anzusiedeln, aber kein festes Commitment der Politik, geschweige denn eine Finanzierung und Zeitplanung, ist dies keine gangbare Lösung, weil es eine jahrelange Verzögerung für unser Projekt zur Folge hätte.

Was wurde versucht, um weitere Mittel aufzubringen?

Wir haben im vergangenen Kalenderjahr umfangreiche Versuche gestartet, die Mehrkosten über Fundraising und Sponsoring zu decken. Dafür haben wir Dutzende Gespräche mit lokalen bis hin zu international tätigen Unternehmen geführt.

Wir hatten in der Vergangenheit bereits gute Erfahrungen damit gemacht. Über vier Jahre haben wir erfolgreich mit Evonik zusammengearbeitet, die uns im Aufbau des Museums Selma unterstützt haben. Der Vertrag ist im vergangenen Jahr jedoch ausgelaufen.

Die Rückmeldungen aus der freien Wirtschaft, Mittel für bauliche Investitionen zur Verfügung zu stellen, waren ernüchternd. Die Wirtschaftslage gebe dies, so die Aussagen der meisten, nicht her. Andere haben ihren Förderungen Schwerpunkte gegeben, die nicht zum Museum passten. Zudem berichten fast alle, dass das Zurückfahren von staatlichen Förderprogrammen für die Zivilgesellschaft die Anfragen bei den Unternehmen vervielfacht hat – der Wettbewerb ist größer, die Mittel kleiner, die Wirtschaftslage angespannt.

33 Millionen Euro über Spenden zu generieren, halten wir für nicht realistisch. Grundsätzlich gilt für uns: Wenn das Museum politisch gewollt ist – wovon wir weiterhin ausgehen –, sollten die Investitionskosten im Wesentlichen auch von der öffentlichen Hand getragen werden. 
In einem späteren Betrieb und als Ergänzung stellt sich das anders dar und wir planen verschiedene Maßnahmen, um über Sponsoring und Förderkreise Einnahmen zu generieren.

Zudem gilt bei Bund und Land das Doppelförderungsverbot, sodass wir uns nicht einfach für andere Programme bewerben konnten. Auch bei der EU laufen die derzeitigen Förderlinien aus und unsere Prüfungen haben keine Möglichkeit der Förderung von baulichen Investitionsmitteln ergeben.

Mehrfach haben wir im Bund, Land und Stadt auf die Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur hingewiesen, aber dies wurde als nicht gangbar bewertet.

Könnte das Museum Selma in der Halle 70 nicht verkleinert umgesetzt werden?

Wir haben im vergangenen Jahr dazu erste Überlegungen angestellt und Einsparpotenziale von 12-14 Millionen Euro durch massive Kürzungen des Raumprogramms identifiziert. Da auch für diese Variante Mehrkosten von ca. 21 Millionen Euro angefallen wären, wollten die Zuwendungsgeber diesen Weg nicht weiterverfolgen. Der hohe Sanierungsgrad bleibt immer bestehen. Mit Planungsmitteln ausgestattet könnte DOMiD den Faden einer noch stärker verkleinerten Variante wieder aufnehmen.

Stand: 29.04.2026. Diese Frageliste wird laufend ergänzt und aktualisiert.